Mordsweiber
Clutch-and-crime

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Krötentanz


Der Fight zwischen Kapital und Naturschutz.
Er bringt eine Familie an den Abgrund,
lässt einen Biedermann zum Helden werden,
und selbst Kommissar Victor Kranski und Laura Malo
können Opfer und Täter kaum noch unterscheiden.


Um es mit Brecht zu sagen:
Denn die einen sind im Dunkeln
Und die andern sind im Licht.
Und man siehet die im Lichte.
Die im Dunkeln sieht man nicht.




Unbeendetes Ende

Er wusste ja nun, wo sie zu finden war. Wie bei den ersten Malen, begleitete ihn dasselbe mulmige Gefühl, als er über den Friedhof ging. Warum zog es sie nachts an diesen Ort der Toten, fragte Victor sich. Jeder Schritt über Steine, jedes Knirschen unter seinen Schuhen hallte wie ein Schrei in die Totenstille. Victor zwang sich vorwärts und hoffte, dass er Laura tatsächlich hier antreffen würde. Die Anspannung fiel vom ihm ab, als er Laura auf der Bank sah und wie selbstverständlich setzte er sich neben sie.

...

Erst jetzt sah er zwei Becher, diesmal aus Glas und die Flasche Rotwein, die Laura zwischen sie stellte. Victor nahm die Flasche und betrachtete das Etikett. „Edler Tropfen“, stellte er fest. „Besonderer Anlass?“

„Der ältere Bruder hat heute Geburtstag.“

Victor blickte auf das Grab und den schmucklosen Grabstein, auf dem zwei Namen eingraviert waren.
„Die Flasche ist halb leer. Du hast ohne mich angefangen?“
„Sorry. Ich musste mein Medikament einnehmen.“
„Du bist ein hoffnungsloser Fall.“ Victor stöhnte auf.
„Das will ich doch hoffen. Stoßen wir darauf an.“
Sie füllte die beiden Becher. Victor nippte nur daran.
„Du fühlst dich zu den Toten hingezogen?“
“Einst fragte König Midas den weisen Silen, Begleiter des Dionysus, was für den Menschen das Allerbeste sei. Das Allerbeste ist für dich gänzlich unerreichbar, sagte der Silen, nicht geboren zu sein, nicht zu sein, nichts zu sein. Das Zweitbeste aber ist – bald zu sterben.“
Einen Moment lang irrte Victors Blick fassungslos über die Grabsteine. Dann legte er seine Hand in Lauras Nacken und zwang ihren Kopf in seine Richtung. Behutsam berührten seine Lippen ihren Mund und steigerten sich zu einem intensiven Kuss. Nachdem sich seine Lippen langsam von Lauras Mund gelöste hatten, lehnte er sich zurück. Er hatte Frauen leidenschaftlich geküsst, zärtlich, behutsam. Küsse, die ihn elektrisierten. Doch dieser Kuss stellte alles in den Schatten. Er hatte in ihm ein Gefühl ausgelöst, als stürze er ungesichert in die Schluchten und Höhen einer irrwitzigen Achterbahn. Er fühlte, wie seine Atmung stockte und glaubte, sein Brustkorb würde bersten. Er wartete auf den Shitstorm. Hatte er gerade eine wunderbare Freundschaft zerstört? Er wappnete sich gegen verbale und physische Attacken.



Laura tastete mit der Zungenspitze ihre Lippen ab, schmeckte dem Kuss nach. Unvermittelt schlang sie beide Hände um Victors Nacken, zog seinen Kopf zu sich und erwiderte den Kuss.

Victor brannte. Er lag nackt im heißen Wüstensand, einer erbarmungslosen Sonnenglut ausgeliefert, um im nächsten Moment in einer Oase zu landen, unter schattigen Palmen, an einem kühlen Bachlauf.
Als Laura ihn losließ, kehrte er von der Reise zurück, sog tief die kühle Nachtluft ein, brachte ein schlichtes „Wow!“ hervor und versuchte, das Durcheinander seiner Gedanken und Gefühle wieder ihren angemessenen Kategorien zuzuordnen.
Er sah fragend auf Laura. Sie seufzte. Ein ironisches Seufzen, erkannte Victor gekränkt.
„Du bist ein göttlicher Teufel und einen Ausflug ins Verderben wert“, sagte sie und ihre Augen funkelten gelb.
Nach einiger Zeit, die Victor wie eine Ewigkeit vorkam, sagte Laura zärtlich: “Wir brauchen die Illusion, um sie über die Schrecken des Lebens zu werfen. Wir brauchen die Träume und Träumer. Meine Dämonen.“

...